Donnerstag, 23. Februar 2012, 20:00 Uhr Vivaldi - Corelli ... eine Spurensuche mit LA GAMBA Freiburg: Ekkehard Weber Viola da gamba d'amore & Viola da gamba und Ricardo Magnus Cembalo |
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Als mir im Jahr 2010 dieses merkwürdige Instrument hier „zulief“, das mir völlig fremd war und über das ich demnach auch keinerlei Kenntnis hatte, war der nächstliegende Impuls, in Richtung Vivaldi zu forschen. Die Gambe ist auf der Rückseite gezeichnet mit Antonio Cassini 1694. Cassini war Geigenbauer in Modena, nicht weit von der Wirkungsstätte Vivaldis, er starb 1705. Außerdem hatte ein Spaßvogel eine spitznasige Karikatur mit Pfaffenhütchen in den Boden des Instruments eingeritzt, die spontan an die berühmte Vivaldi-Karikatur von Pier Leone Ghezzi (1723) erinnerte. Antonio Vivaldi verzeichnet in seinen Werken des öfteren ein Instrument mit dem Namen Viola all’ Inglese, das bis heute organologisch nicht recht dingfest zu machen war. Manche Musikwissenschaftler identifizieren es als ganz normale Gambe, die seinerzeit als typisch englisches Instrument wahrgenommen wurde, andere wollen darin eine Viola d’amore (mit Resonanzsaiten) sehen, wieder andere halten sie für identisch mit dem englischen Violett aus Leopold Mozarts Violinschule. Außerdem hat Vivaldi als Lehrer für diese Viola all’ inglese eine Gehaltserhöhung von 40 Gulden bezogen; der Geigenbauer Mattio Selles stellt 11 Lire in Rechnung für die Neubesaitung einer Viola all’ inglese, die von Dominica Meneghina, einer der Bewohnerinnen des Ospedale della Pietà und Schülerin Vivaldis, gespielt wurde. Auch von einem Violoncello all’ Inglese ist die Rede in einem zeitgenössischen Bericht: Prudenza, ein anderes der Waisenmädchen, sang Sopran, spielte Violine und Violoncello all’ Inglese, Cembalo und Angélique (eine Theorbe mit Metallsaiten). Philippe Foulon, ein französischer Kollege, spielt auf einem Nachbau eines solchen Cello. Es hat 5 Spielsaiten aus Darm und 7 Resonanzsaiten aus Metall. Leider verlief diese italienische Spur hinsichtlich meines Instruments völlig im Sande: Der Name Antonio Cassini und die Jahreszahl 1694 erwiesen sich als gefälscht, konkrete Hinweise auf die Herkunft des Instruments ergaben sich keine. Bestimmte bauliche Merkmale verweisen in das frühe 19. Jahrhundert als Entstehungszeit. Immerhin ist es derzeit wohl das einzige spielbar erhaltene Instrument dieser Art weltweit - dank der erfolgreichen Bemühungen von Mathias Behrle, Gambenbauer hier in Freiburg, um die Reparatur.
Als Erinnerung an die fruchtlosen Recherchen Richtung Vivaldi und Viola all’ Inglese stehen heute drei Sonaten des Meisters auf dem Programm aus Op. 14 von 1740. Und wie es kam, dass eine Viola da gamba-Bearbeitung von Corellis Op.5 schon 1659 - mehr als 40 Jahre vor Erscheinen des Originals in Rom- in England auftauchte, das bedarf noch der Aufklärung ... |
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